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Ökostrom

Graustrom und der Strommix: das Steckdosen-Paradox

5 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Graustrom und der Strommix: das Steckdosen-Paradox“: eine Landschaft mit Windrädern, Solaranlagen und einem fernen Kraftwerk.

Auf den Punkt gebracht

Kurz gesagt: Physikalisch kommt aus jeder Steckdose in Deutschland derselbe lokale Strommix, unabhängig vom gewählten Tarif. Graustrom bezeichnet Strom ohne ausgewiesene grüne Herkunft, also diesen gewöhnlichen Mix. Ob ein Tarif als Ökostrom gilt, ist eine rechnerische Frage der Herkunftsnachweise. Den durchschnittlichen deutschen Strommix weist das Umweltbundesamt jährlich aus.

Das Paradox an deiner Steckdose

Dein Tarif kann zu 100 Prozent Ökostrom sein, während physikalisch trotzdem derselbe Strommix wie beim Nachbarn mit Grundversorgungsvertrag durch die Leitung fließt. Das klingt widersprüchlich, ist aber korrekt, nur eben auf zwei unterschiedlichen Ebenen betrachtet. Wer verstehen will, wie Ökostrom tatsächlich funktioniert, muss erst dieses scheinbare Paradox auflösen.

Illustration zum Abschnitt „Das Paradox an deiner Steckdose“ im Ratgeber „Graustrom und der Strommix: das Steckdosen-Paradox“: Nahaufnahme von Stromleitungen vor gemischtem Himmel.

Was tatsächlich durch die Leitung fließt

Aus jeder Steckdose in Deutschland kommt physikalisch derselbe Strom, der lokale Mix. Strom aus Windrädern, Kohlekraftwerken und Solaranlagen fließt gemeinsam ins Netz und lässt sich dort nicht mehr nach Herkunft trennen. Egal welchen Tarif du gewählt hast, die Elektronen in deiner Leitung sind identisch mit denen beim Nachbarn mit einem anderen Vertrag. Das ist keine Schwäche des Systems, sondern schlicht Physik: Ein Stromnetz ist ein gemeinsamer Speicher, in den alle einspeisen und aus dem alle entnehmen.

Graustrom: der unmarkierte Rest

Graustrom bezeichnet Strom ohne ausgewiesene grüne Herkunft, also genau diesen gewöhnlichen Mix aus dem Netz, dem keine Herkunftsnachweise als Ökostrom zugeordnet sind. Der Name kommt daher, dass die Herkunft nicht grün gekennzeichnet ist, sondern eben grau, also unmarkiert.

Wichtig für die Einordnung: Graustrom ist nicht schmutziger im technischen Sinn. Er enthält denselben Anteil Erneuerbarer wie das Netz insgesamt. Der Unterschied zu Ökostrom liegt allein in der bilanziellen Kennzeichnung, nicht in der Physik.

Illustration zum Abschnitt „Graustrom: der unmarkierte Rest“ im Ratgeber „Graustrom und der Strommix: das Steckdosen-Paradox“: ein grünes Feld mit einem Windrad und fernen Strommasten.

Herkunftsnachweise: die rechnerische Zuordnung

Weil die physische Trennung unmöglich ist, erfolgt die Zuordnung von grünem Strom rechnerisch. Für grün erzeugten Strom werden Herkunftsnachweise ausgestellt, einem Verbrauch zugeordnet und danach entwertet. Auf Ebene der Bilanzkreise werden Erzeugung und Verbrauch zusammengeführt und abgerechnet.

Ebene Was zählt Trennbar nach Herkunft?
Physikalisch Strom im Netz nein, immer der Mix
Rechnerisch Herkunftsnachweise, Bilanzkreis ja, über Nachweise

Der deutsche Strommix laut Umweltbundesamt

Wie der durchschnittliche Mix tatsächlich aussieht, weist das Umweltbundesamt jährlich aus. Der Strommix gibt an, welche Anteile die einzelnen Energieträger an der gesamten Erzeugung in Deutschland haben, von Wind und Photovoltaik über Erdgas bis Kohle. Diese Anteile verschieben sich von Jahr zu Jahr mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Für dich ist dieser Durchschnittsmix der Referenzpunkt: Er beschreibt, was ohne aktive Tarifwahl rechnerisch hinter einer Kilowattstunde steht.

Was das für deine Tarifwahl bedeutet

Aus dem Zusammenspiel von physikalischem Mix und rechnerischer Zuordnung folgt eine nüchterne Konsequenz: Ein Ökostromtarif verändert nicht automatisch den realen Erzeugungsmix. Nur wenn ein Tarif über den reinen Nachweis hinaus den Ausbau neuer Anlagen fördert, entsteht ein echter Unterschied. Sonst wird bestehende grüne Erzeugung lediglich rechnerisch umverteilt, ein Mechanismus, der Greenwashing ermöglicht. Mehr dazu im Beitrag Greenwashing bei Ökostrom erkennen.

Den Preis solltest du davon getrennt betrachten, er hängt von Anbieter, Netzgebiet und Verbrauch ab. Stromtarife vergleichen zeigt dir das Niveau für deine Postleitzahl. Worauf du bei der ökologischen Qualität achtest, fasst der Überblick Ökostrom zusammen.

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Häufige Fragen

Wie kann mein Tarif Ökostrom sein, wenn doch überall derselbe Mix fließt?
Weil Erzeugung und Verbrauch auf zwei getrennten Ebenen betrachtet werden. Physikalisch fließt immer der lokale Mix, weil sich Strom im Netz nicht nach Herkunft trennen lässt. Die grüne Zuordnung erfolgt rechnerisch über Herkunftsnachweise, die einem Verbrauch zugeordnet und entwertet werden.
Was bedeutet der Begriff Graustrom genau?
Graustrom ist Strom ohne ausgewiesene grüne Herkunft, also der gewöhnliche Mix aus konventioneller und erneuerbarer Erzeugung, wie er physikalisch im Netz vorliegt. Er ist nicht schmutziger als andere Kilowattstunden, ihm fehlt nur die bilanzielle Kennzeichnung als Ökostrom.
Wie funktioniert die rechnerische Zuordnung von grünem Strom?
Für grün erzeugten Strom werden Herkunftsnachweise ausgestellt, die einem Verbrauch zugeordnet und dann entwertet werden. So wird bilanziell festgehalten, welche Menge als erneuerbar gilt, obwohl physisch stets der Mix fließt.
Wo finde ich Zahlen zum deutschen Strommix?
Das Umweltbundesamt veröffentlicht jährlich den durchschnittlichen Strommix in Deutschland mit den Anteilen der einzelnen Energieträger. Diese Anteile verschieben sich von Jahr zu Jahr mit dem Ausbau der Erneuerbaren.
Verändert ein Ökostromtarif automatisch die reale Stromerzeugung?
Nicht automatisch. Nur wenn ein Tarif über den reinen Herkunftsnachweis hinaus den Ausbau neuer Anlagen fördert, verändert sich der reale Erzeugungsmix. Sonst wird bestehende Erzeugung lediglich rechnerisch umverteilt.

Quellen & Stand