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Ökostrom

Greenwashing bei Ökostrom: 5 Warnsignale

5 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom: 5 Warnsignale“: eine Person prüft ein grün beschriftetes Dokument mit der Lupe.

Auf den Punkt gebracht

Kurz gesagt: Greenwashing bei Ökostrom entsteht, wenn konventionell erzeugter Graustrom lediglich mit zugekauften Herkunftsnachweisen grüngerechnet und als Ökostrom verkauft wird, ohne dass neue erneuerbare Kapazität entsteht. Das ist legal, aber intransparent. Warnsignale sind fehlende Gütesiegel, vage Herkunftsangaben und Werbung allein mit Nachweisen statt belegten Investitionen in neue Anlagen.

Fünf Signale, die aufhorchen lassen sollten

Bevor du dich für einen Ökostromtarif entscheidest, lohnt ein kritischer Blick. Diese Muster tauchen bei nicht ganz astreinen Angeboten immer wieder auf:

Kein einzelnes Signal beweist Greenwashing, aber wo mehrere zusammenkommen, solltest du genauer hinsehen.

Illustration zum Abschnitt „Fünf Signale, die aufhorchen lassen sollten“ im Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom: 5 Warnsignale“: Nahaufnahme einer Lupe über einem Dokument mit Blattmuster.

Wie aus Graustrom ein grünes Etikett wird

Der Begriff Ökostrom ist nicht gesetzlich geschützt, und genau das macht Greenwashing möglich. Der Mechanismus ist simpel: Ein Anbieter verkauft physikalisch ganz normalen Graustrom, also Strom aus dem üblichen Mix. Um ihn als Ökostrom anbieten zu dürfen, kauft er Herkunftsnachweise zu, oft aus dem europäischen Ausland, etwa von bestehenden Wasserkraftwerken.

Auf dem Papier ist der Tarif dann grün, an der Stromerzeugung selbst hat sich aber nichts geändert. Es wurde keine einzige neue Wind- oder Solaranlage gebaut. Diese Praxis ist legal, schafft aber keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen und führt Verbraucher in die Irre, die etwas Gutes tun wollen. Den technischen Hintergrund erklärt der Beitrag Herkunftsnachweise einfach erklärt.

Erwartung und Realität liegen oft auseinander

Der Kern des Problems liegt in der Trennbarkeit von Strom und Nachweis. Ein Herkunftsnachweis wird unabhängig vom physischen Strom gehandelt. Dadurch können zwei Dinge entkoppelt werden, die intuitiv zusammengehören:

Was du erwartest Was tatsächlich passieren kann
Anbieter erzeugt grünen Strom Anbieter kauft nur Nachweise zu
Dein Verbrauch fördert neue Anlagen bestehende Erzeugung wird nur umetikettiert
Grüner Strom fließt zu dir physikalisch fließt der lokale Mix

Solange der Tarif keine zusätzlichen Anforderungen erfüllt, ist „grün“ hier vor allem eine Buchungsleistung, kein realer Beitrag zur Energiewende.

Illustration zum Abschnitt „Erwartung und Realität liegen oft auseinander“ im Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom: 5 Warnsignale“: eine Person schaut zweifelnd auf den Laptop.

So prüfst du einen Tarif in der Praxis

Statt dich auf das Etikett zu verlassen, prüfe gezielt:

  1. Gütesiegel suchen: Trägt der Tarif ein anerkanntes, unabhängiges Siegel? Mehr dazu im Vergleich Ökostrom-Gütesiegel: ok-power & Grüner Strom Label.
  2. Herkunft hinterfragen: Werden konkrete Anlagen oder zumindest nachvollziehbare Quellen genannt?
  3. Zusätzlichkeit checken: Gibt es einen belegten Beitrag zum Ausbau, etwa feste Förderbeträge je Kilowattstunde?
  4. Konditionen trennen: Bewerte Preis, Grundpreis und Laufzeit unabhängig von der ökologischen Frage.

Preis und Ökologie getrennt bewerten

Greenwashing zu durchschauen heißt nicht, Ökostrom pauschal zu misstrauen, es heißt, genauer hinzusehen. Den Preis solltest du dabei immer getrennt von der ökologischen Qualität betrachten. Eine pauschale Aussage zu Mehr- oder Minderkosten wäre unseriös, denn der Preis hängt von Anbieter, Netzgebiet und Verbrauch ab.

Stromtarife vergleichen zeigt dir das Preisniveau für deine Postleitzahl. Die ökologische Substanz prüfst du daneben anhand von Siegeln und belegten Investitionen, so triffst du eine Entscheidung, die in beiden Dimensionen standhält.

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Häufige Fragen

Welches Warnsignal für Greenwashing ist am aussagekräftigsten?
Kein einzelnes Signal reicht allein, aber ein fehlendes anerkanntes Gütesiegel in Kombination mit vagen Herkunftsangaben ist ein starkes Muster. Achte darauf, ob konkrete Anlagen genannt werden oder nur allgemein mit '100 % Ökostrom' geworben wird.
Ist es verboten, Graustrom mit Herkunftsnachweisen als Ökostrom zu verkaufen?
Nein, diese Praxis ist legal. Sie ist aber intransparent, weil sie keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen schafft und Verbraucher über die tatsächliche Wirkung ihres Tarifs im Unklaren lässt.
Woran unterscheide ich echten von unechtem Ökostrom?
Echter Ökostrom weist ein anerkanntes Gütesiegel, transparente Herkunft und belegte Investitionen in neue Anlagen aus. Unechte Tarife werben dagegen vage mit grüner Energie, ohne über den reinen Herkunftsnachweis hinauszugehen.
Warum belegt ein Herkunftsnachweis allein noch keinen Umweltnutzen?
Herkunftsnachweise sind getrennt vom physischen Strom handelbar. Ein Anbieter kann sie zukaufen, ohne selbst grünen Strom zu erzeugen oder neue Anlagen zu fördern. Der Nachweis allein schafft deshalb keinen zusätzlichen Umweltnutzen.
Sind Ökostromtarife von Stadtwerken automatisch vertrauenswürdiger als von Discountern?
Nein. Es kommt nicht auf den Anbietertyp an, sondern auf die konkreten Anforderungen des Tarifs. Entscheidend sind Gütesiegel, transparente Herkunft und nachweisbare Investitionen, nicht der Name des Versorgers.

Quellen & Stand