Was ein Speicher am Balkonkraftwerk eigentlich löst
Ein Balkonkraftwerk erzeugt Strom genau dann, wenn die Sonne scheint, meist also zur Mittagszeit. Verbraucht wird im Haushalt aber vor allem abends. Ohne Speicher landet der mittägliche Überschuss, den du gerade nicht brauchst, unvergütet im öffentlichen Netz. Ein Speicher schließt genau diese zeitliche Lücke.
Am häufigsten kommt dafür ein AC-Speicher zum Einsatz: Er wird auf der Wechselstromseite zwischen Wechselrichter und Hausnetz eingebunden, lädt sich tagsüber mit überschüssigem Solarstrom und gibt ihn abends oder nachts wieder ans Hausnetz ab, sodass weniger Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. DC-Speicher hängen direkt auf der Modulseite und sparen dadurch eine Wandlung, was den Systemwirkungsgrad minimal erhöht, sind aber seltener am Markt und benötigen oft einen kompatiblen Spezialwechselrichter.
Welche Kapazität und welche Kosten realistisch sind
Für Balkonkraftwerke mit der seit dem Solarpaket I geltenden Scheinleistungsgrenze von 800 Watt sind Speicher mit 0,5 bis 2 Kilowattstunden Kapazität sinnvoll dimensioniert. Größere Kapazitäten bringen bei dieser Leistung kaum Vorteil, weil die Anlage den Speicher an einem normalen Sonnentag ohnehin nicht mehr als einmal vollständig laden kann.
Zur groben Kostenorientierung (qualitative Größenordnungen, aktuelle Marktpreise variieren je nach Hersteller, Bezugsweg und Zeitpunkt):
- Einstieg (rund 1 kWh): einige hundert Euro
- Mittelklasse (1 bis 2 kWh): mehrere hundert bis knapp über tausend Euro
- Integrierte Komplettsysteme (Modul, Wechselrichter, Speicher): teils deutlich über tausend Euro
Laut Beobachtung der Verbraucherzentrale sinken die Speicherpreise seit Jahren, wodurch sich die Wirtschaftlichkeitsschwelle tendenziell verbessert (siehe Quellen).
Wie sich die Eigenverbrauchsquote verschiebt
Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote eines Balkonkraftwerks in Haushalten, in denen tagsüber niemand zu Hause ist, häufig bei 20 bis 40 Prozent, der Rest wird eingespeist oder fällt schlicht auf eine Zeit ohne Verbrauch. Mit einem passend dimensionierten Speicher lässt sich die Quote auf 50 bis 80 Prozent steigern, abhängig von Verbrauchsverhalten und Erzeugungsertrag. Jede zusätzlich selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzbezug zu rund 30 bis 35 Cent (Größenordnung, abhängig von Tarif und Region), genau darin liegt der eigentliche Mehrwert des Speichers.
Ehrliches Rechenbeispiel: lohnt sich das?
Das folgende Beispiel erklärt nur das Prinzip, es ist keine Renditeprognose. Ertrag, Eigenverbrauch, Strompreis und Speicherpreis variieren individuell erheblich.Angenommen, ein Balkonkraftwerk erzeugt im Jahr rund 600 Kilowattstunden. Ohne Speicher werden davon 25 Prozent selbst verbraucht, also 150 kWh, was bei einem angenommenen Bezugspreis von 0,30 Euro je Kilowattstunde rund 45 Euro Ersparnis ergibt. Mit einem 1,5-kWh-Speicher steigt die Eigenverbrauchsquote auf 55 Prozent, also 330 kWh, was rund 99 Euro Ersparnis bedeutet. Die Mehrersparnis durch den Speicher liegt im Beispiel bei etwa 54 Euro pro Jahr.
Kostet der Speicher 900 Euro, ergibt sich daraus eine Amortisationszeit von rund 17 Jahren. Günstige Heimspeicher erreichen aber oft nur Lebensdauern von 10 bis 15 Jahren, in diesem Beispiel rechnet sich die Investition also nicht innerhalb der Nutzungsdauer.
Deutlich besser sieht die Rechnung bei größeren Dachanlagen aus (4 bis 10 Kilowattpeak), weil dort erheblich mehr Strom gespeichert und entsprechend mehr Mehrnutzen erzielt werden kann.
Rechtliches: 800 Watt und Anmeldepflicht
Seit dem Solarpaket I gilt für Balkonkraftwerke eine Scheinleistungsgrenze von 800 Watt am Wechselrichterausgang. Anlagen bis zu dieser Grenze dürfen über eine normale Schukosteckdose einspeisen. Die Anlage muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden, ein zusätzlicher Batteriespeicher ist dort ebenfalls zu registrieren, sofern er nicht bereits als Teil der Gesamtanlage angemeldet wird. Den Anmeldeprozess erklärt der Spoke Balkonkraftwerk anmelden im Detail.
Für wen sich ein Speicher wirklich lohnt
Ein Speicher am Balkonkraftwerk ist eher sinnvoll, wenn:
- du tagsüber wenig zu Hause bist und dein Hauptverbrauch am Abend liegt,
- du in sonnenreicher Lage wohnst und die Anlage gut ausgerichtet ist,
- du ohnehin ein Komplettsystem anschaffst, bei dem Speicher und Anlage von Anfang an als Einheit kalkuliert sind.
Nicht sinnvoll ist ein Speicher als reine Sparmaßnahme an einer kleinen Balkonanlage, wenn die Amortisationszeit die erwartete Lebensdauer übersteigt. Wer primär Stromkosten senken will, kommt mit der Anlage allein und einem günstigen Tarif oft weiter, aktuelle Tarife zeigt dir der Stromkostenrechner. Mehr zum Thema Balkonkraftwerk insgesamt findest du auf der Hubseite Balkonkraftwerk.