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Strompreise

Netzentgelte: Darum kostet Strom je nach Ort verschieden

6 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Netzentgelte: Darum kostet Strom je nach Ort verschieden“: ein Umspannwerk mit Transformatoren in ländlicher Umgebung bei Dämmerung.

Auf den Punkt gebracht

Netzentgelte sind das Entgelt für die Nutzung des Stromnetzes und machen laut Bundesnetzagentur rund ein Fünftel bis ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus. Sie werden durch die Bundesnetzagentur reguliert und von jedem Netzbetreiber individuell kalkuliert. Den Netzbetreiber kannst du nicht wechseln, wohl aber deinen Stromlieferanten, und genau darüber lässt sich der frei verhandelbare Teil deines Strompreises senken.

Zwei Adressen, zwei Preise

Zwei Haushalte mit demselben Verbrauch und demselben Anbieter zahlen je nach Wohnort trotzdem unterschiedlich viel. Der Grund liegt selten beim Lieferanten, sondern beim Netzentgelt: Deutschland hat rund 880 Verteilnetzbetreiber, und die günstigsten Netzgebiete liegen bei rund 5 Cent je Kilowattstunde Netznutzungsentgelt, die teuersten deutlich über 10 Cent. Warum das so ist und was du daran tatsächlich ändern kannst, klärt dieser Beitrag.

Illustration zum Abschnitt „Zwei Adressen, zwei Preise“ im Ratgeber „Netzentgelte: Darum kostet Strom je nach Ort verschieden“: Nahaufnahme von Transformatoren hinter einem Zaun.

Was ein Netzentgelt überhaupt ist

Strom fließt über Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze bis in deine Steckdose. Für die Nutzung dieser Infrastruktur zahlt jeder Verbraucher ein Netzentgelt. Es ist fester Bestandteil jeder Stromrechnung, wird vom Lieferanten zusammen mit der Energiemenge abgerechnet, fließt aber vollständig an den Netzbetreiber weiter.

Laut BNetzA-Monitoringbericht machen Netzentgelte inklusive Messstellenbetrieb rund ein Fünftel bis ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus (vgl. Quellen). Wie groß der Anteil genau ausfällt, hängt von Region, Netzbetreiber und Tarifjahr ab.

Wer die Höhe festlegt

Netzbetreiber sind natürliche Monopole, deshalb wählt niemand seinen Netzbetreiber selbst. Damit die Entgelte trotzdem fair bleiben, legt die Bundesnetzagentur (BNetzA) im System der Anreizregulierung zulässige Erlösobergrenzen fest (§ 21 EnWG, Stromnetzentgeltverordnung). Innerhalb dieses Rahmens kalkuliert jeder Netzbetreiber seine eigene Entgelttabelle.

§ 23b EnWG verpflichtet Netzbetreiber, ihre Netzentgelte im Internet zu veröffentlichen. Sie stehen auf der Website deines Netzbetreibers unter “Netzentgelte” oder “Netznutzung”.

Illustration zum Abschnitt „Wer die Höhe festlegt“ im Ratgeber „Netzentgelte: Darum kostet Strom je nach Ort verschieden“: Stromleitungen ziehen sich über eine hügelige Landschaft.

Die Treiber hinter den regionalen Unterschieden

Vier Faktoren erklären das Gefälle zwischen den Netzgebieten am stärksten:

Alter und Zustand des Netzes. Ältere Netze mit hohem Sanierungsbedarf erzeugen höhere Kapitalkosten, die auf alle Netznutzer umgelegt werden.

Bevölkerungs- und Abnahmedichte. Je mehr Kunden an einem Netz hängen und je mehr Strom insgesamt abgenommen wird, desto geringer der Kostenanteil je Kilowattstunde. Ländliche Regionen mit langen Leitungen und wenig Abnahme zahlen strukturell mehr.

Erneuerbaren-Anteil und Netzausbau. Regionen mit viel Wind- und Solarstrom brauchen leistungsfähigere Netze für die Spitzenleistung. Diese Investitionen schlagen sich in den Entgelten nieder.

Redispatch-Kosten. Kann Windstrom aus dem Norden nicht direkt dorthin fließen, wo er gebraucht wird, müssen andernorts Kraftwerke hoch- oder runtergeregelt werden. Diese Kosten tragen die Netzbetreiber und verteilen sie über die Entgelte.

Hinzu kommt die Konzessionsabgabe, die Netzbetreiber an Städte und Gemeinden für die Nutzung öffentlicher Wege zahlen und die ebenfalls in die Kalkulation einfließt.

Pauschal gilt: Norddeutschland zahlt durch hohen Windstromanteil und lange Transportwege oft überdurchschnittlich. Ein festes Gesetz ist das aber nicht, denn auch dünn besiedelte Netzgebiete im Süden liegen wegen geringer Kundendichte hoch, während manche städtischen Netze im Norden vergleichsweise günstig bleiben. Den verlässlichsten Überblick bietet die BNetzA-Übersicht aller gemeldeten Netzentgelte (vgl. Quellen).

Was du beeinflussen kannst und was nicht

Netzentgelt, Messstellenbetrieb, Stromsteuer und staatliche Umlagen sind für jeden Tarif an deiner Adresse identisch, daran ändert kein Wechsel etwas. Was du sehr wohl wählst, ist dein Stromlieferant. Dessen Anteil, Energieeinkauf und Handelsmarge, macht einen wesentlichen Teil der Preisunterschiede zwischen Tarifen aus.

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren zudem Entlastungen bei besonders hohen Netzentgelten geprüft, etwa bundesweite Zuschüsse zu den Übertragungsnetzentgelten und Diskussionen über eine stärkere Wälzung regionaler Unterschiede. Ob solche Maßnahmen aktuell fortbestehen, richtet sich nach der jeweils gültigen Gesetzeslage und lässt sich beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz oder der BNetzA prüfen.

Ein Wechsel aus der teuren Grundversorgung in einen Wettbewerbstarif kann je nach Region und Verbrauch mehrere Hundert Euro im Jahr ausmachen. Was für dein Netzgebiet realistisch ist, zeigt der Stromkostenrechner. Wie der Wechsel abläuft, erklärt die Hubseite Stromanbieter wechseln.

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Häufige Fragen

Wie groß ist der Anteil der Netzentgelte am Strompreis?
Laut BNetzA-Monitoringbericht liegt der Anteil inklusive Messstellenbetrieb zuletzt bei rund 20 bis 25 Prozent des Haushaltsstrompreises. Die Arbeitspreisanteile für die reine Netznutzung bewegen sich je nach Region und Netzbetreiber zwischen etwa 5 und 11 Cent je Kilowattstunde. Die genauen Werte für deinen Netzbetreiber stehen bei der BNetzA oder direkt auf dessen Website.
Kann ich mir einen günstigeren Netzbetreiber suchen?
Nein, das geht nicht. Der Netzbetreiber ist an deine Adresse gebunden und steht fest, egal welchen Lieferanten du wählst. Frei entscheiden kannst du dich nur beim Stromlieferanten, der über dieses feste Netz liefert.
Warum liegen manche Netzgebiete so viel höher als andere?
Hohe Netzentgelte entstehen unter anderem durch hohe Investitionen in die Netzinfrastruktur, geringe Kundendichte in ländlichen Gebieten und den aufwendigen Abtransport von erneuerbarem Strom aus erzeugungsstarken Regionen. Netzgebiete mit viel Windstrom tragen zusätzlich Redispatch-Kosten und Netzausbauinvestitionen.
Wo finde ich die Netzentgelte für mein Netzgebiet?
§ 23b EnWG verpflichtet jeden Netzbetreiber, seine Entgelte im Internet zu veröffentlichen. Du findest sie auf dessen Website unter 'Netzentgelte' oder 'Netznutzung'. Zusätzlich veröffentlicht die Bundesnetzagentur eine Übersicht über alle gemeldeten Werte.
Was kann ein Lieferantenwechsel an meinem Strompreis wirklich ändern?
Ein Wechsel wirkt nur auf den Lieferantenanteil, also Energieeinkauf und Handelsmarge. Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Stromsteuer und staatliche Umlagen sind an deiner Adresse für jeden Tarif identisch und lassen sich durch keinen Wechsel verändern.

Quellen & Stand