Wenn drei Autos gleichzeitig an die Steckdose wollen
In der Tiefgarage einer Eigentümergemeinschaft laden abends mehrere Elektroautos gleichzeitig, und plötzlich reicht die Anschlussleistung nicht mehr für alle. Genau für diesen Moment gibt es das Lastmanagement. Eine einzelne Wallbox lässt sich an den meisten Hausanschlüssen problemlos betreiben, sobald aber mehrere Ladepunkte an einem gemeinsamen Anschluss hängen, etwa in einer Tiefgarage oder einer Eigentümergemeinschaft, kann die Summe der gleichzeitig abgerufenen Leistungen die verfügbare Anschlussleistung übersteigen. Würden alle Wallboxen zugleich mit voller Leistung laden, wäre der Anschluss überlastet. Den größeren Rahmen von Anmeldung bis Tarif spannt unser Hub zur Wallbox, dieser Ratgeber widmet sich der Mehrpunkt-Situation.
Zwei Wege, dieselbe Anschlussleistung zu verteilen
| Variante | Funktionsweise | Ausnutzung des Anschlusses |
|---|---|---|
| Statisches Lastmanagement | verteilt eine fest reservierte Leistung auf die aktiven Ladepunkte | konstant, aber konservativ |
| Dynamisches Lastmanagement | misst den Gesamtverbrauch und gibt die jeweils freie Reserve frei | hoch, passt sich in Echtzeit an |
Das statische Lastmanagement reserviert einen festen Anteil der Anschlussleistung allein fürs Laden und teilt diesen unter den aktiven Wallboxen auf, einfach umzusetzen, lässt aber Reserven ungenutzt, wenn das Gebäude gerade wenig Strom braucht. Das dynamische Lastmanagement geht weiter: Es erfasst den übrigen Gebäudeverbrauch in Echtzeit und gibt die jeweils freie Leistung an die Ladepunkte frei. Nachts, wenn Aufzüge, Beleuchtung und Gewerbe ruhen, steht so mehr fürs Laden zur Verfügung. Dieses an den tatsächlichen Verbrauch angepasste Lastprofil nutzt den vorhandenen Anschluss deutlich besser aus.
Der eigentliche Gewinn: keine teure Netzverstärkung
Der wirtschaftliche Kern des Lastmanagements liegt darin, eine kostspielige Verstärkung des Netzanschlusses zu vermeiden. Statt den Anschluss für den unwahrscheinlichen Fall auszulegen, dass alle Fahrzeuge gleichzeitig mit Maximalleistung laden, verteilt das System die vorhandene Leistung intelligent. In der Praxis stehen Fahrzeuge über Nacht viele Stunden am Kabel, die Ladevorgänge lassen sich also problemlos strecken, ohne dass am Morgen jemand mit leerem Akku dasteht.
Besonders wichtig: Tiefgarage und Eigentümergemeinschaft
Besonders relevant wird das Thema in Mehrparteienhäusern. In einer WEG nutzen alle den gemeinsamen Anschluss, weshalb ein faires und transparentes Verteilkonzept wichtig ist. Sinnvoll ist es, das Lastmanagement von Beginn an für die gesamte Tiefgarage zu planen, auch wenn zunächst nur einzelne Stellplätze eine Wallbox erhalten, so lassen sich weitere Ladepunkte später ohne Komplettumbau ergänzen. Die technische Auslegung und die Abstimmung mit dem Netzbetreiber übernimmt ein Fachbetrieb.
Zwei Ebenen, ein Ziel: das Netz schützen
Wichtig ist die Abgrenzung: Das Lastmanagement schützt den Hausanschluss vor interner Überlastung. § 14a EnWG dagegen erlaubt dem Netzbetreiber eine Steuerung zum Schutz des öffentlichen Netzes und senkt im Gegenzug das Netzentgelt, wie das beim Laden konkret wirkt, erklärt der Ratgeber § 14a EnWG: reduziertes Netzentgelt für die Wallbox. Beide Mechanismen ergänzen sich: Das eine ordnet den Verbrauch hinter dem Anschluss, das andere den Bezug aus dem Netz. Welcher Stromtarif für deinen Ladebedarf am günstigsten ist, hängt vom Verbrauch und Netzgebiet ab und lässt sich mit deiner Postleitzahl im Stromkostenrechner vergleichen.