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Strompreise

Strompreise 2026: Wie hoch, warum, und was du tun kannst

7 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Strompreise 2026: Wie hoch, warum, und was du tun kannst“: eine Person prüft nachdenklich die Stromrechnung am Küchentisch.

Auf den Punkt gebracht

Laut BDEW-Strompreisanalyse zahlten Haushaltskunden mit 3.500 kWh Jahresverbrauch im Frühjahr 2025 im bundesweiten Mittel rund 30 Cent je Kilowattstunde brutto. Das Krisenhoch von 2022 mit Grundversorgungspreisen über 50 Cent ist überwunden. Regionale Unterschiede entstehen vor allem durch die Netzentgelte: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet können sie um mehr als 5 Cent je Kilowattstunde auseinander liegen.

30 Cent im Schnitt, aber eben nur im Schnitt

Die Zahl, die überall kursiert: rund 30 Cent je Kilowattstunde. Laut BDEW-Strompreisanalyse zahlte ein Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch im Frühjahr 2025 im bundesweiten Mittel diesen Bruttobetrag, inklusive aller Steuern und Abgaben. Der Haken an jedem Durchschnitt: Er sagt wenig über deine eigene Rechnung aus. In der Grundversorgung liegen viele Anbieter spürbar darüber, gute Wettbewerbstarife für Neukunden oft deutlich darunter. Der BDEW aktualisiert diese Zahlen regelmäßig, die jeweils neueste Veröffentlichung findest du unter dem Link in den Quellen.

Illustration zum Abschnitt „30 Cent im Schnitt, aber eben nur im Schnitt“ im Ratgeber „Strompreise 2026: Wie hoch, warum, und was du tun kannst“: Nahaufnahme von Stromleitungen vor dramatischem Abendhimmel.

Wie wir hierhergekommen sind

2021 war die Welt noch eine andere: Der bundesweite Schnitt lag bei etwa 32 Cent, der Wettbewerb zwischen Sonderverträgen lief, Grundversorgung galt als vergleichsweise moderat. Dann kam der Februar 2022. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine schossen die Großhandelspreise für Gas und Strom nach oben, in der zweiten Jahreshälfte kletterten viele Grundversorgungspreise auf über 50 Cent je Kilowattstunde, manche Anbieter stoppten zeitweise sogar Neuabschlüsse.

Zwei Maßnahmen bremsten die Talfahrt der Haushalte: Zum 1. Juli 2022 wurde die EEG-Umlage auf null gesetzt, sie hatte 2021 noch 6,5 ct/kWh betragen und war für die erste Jahreshälfte 2022 bereits auf 3,72 ct/kWh reduziert worden. Zusätzlich griff ab Dezember 2022 bis April 2023 die Strompreisbremse für Privathaushalte und kleine Unternehmen.

2023 und 2024 normalisierten sich die Großhandelspreise, günstigere Beschaffungskontrakte kamen mit einigen Monaten Verzögerung bei den Endkunden an. Gebremst wurde diese Entspannung durch die Netzentgelte, die zum 1. Januar 2024 vielerorts spürbar stiegen. 2025 und 2026 zeigt sich das Bild stabilisiert, aber strukturell über dem Vorkrisenniveau: Netzinvestitionen für die Energiewende und ein steigender CO2-Preis im EU-Emissionshandel wirken als Preistreiber, während sinkende Großhandelsphasen zwischenzeitlich entlasten können.

Was wirklich im Preis steckt

Der Betrag auf deiner Stromrechnung ist kein einzelner Posten, sondern eine Summe aus mehreren Bausteinen, von denen nur einer wirklich verhandelbar ist.

BestandteilGrößenordnungWer das bestimmt
Beschaffung und Vertriebca. 8 bis 12 ct/kWhMarkt, tarifabhängig
Netzentgeltca. 7 bis 12 ct/kWhreguliert, regional
Stromsteuer2,05 ct/kWhBund, gesetzlich fix
Konzessionsabgabeca. 1,3 bis 2,0 ct/kWhGemeindegröße
Übrige Umlagen (KWKG, Offshore-Netz, § 19 StromNEV)ca. 1,0 bis 2,0 ct/kWhreguliert, jährlich
EEG-Umlage0 ct/kWhseit 1. Juli 2022 entfallen
Umsatzsteuer (19 %)auf den Nettobetragnur Privathaushalte

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist der regulierte Block so groß, dass selbst stark fallende Börsenpreise den Haushaltspreis nur begrenzt drücken können. Zweitens hat der Wegfall der EEG-Umlage 2022 strukturell entlastet, weil dieser Posten seither schlicht nicht mehr existiert. Für deine Jahreskosten zählen am Ende Arbeitspreis und Grundpreis zusammen, nie nur einer von beiden.

Illustration zum Abschnitt „Was wirklich im Preis steckt“ im Ratgeber „Strompreise 2026: Wie hoch, warum, und was du tun kannst“: zwei benachbarte Dörfer mit Dächern und Stromleitungen.

Warum dein Nachbarort einen anderen Preis zahlt

Physikalisch ist Strom überall derselbe, trotzdem zahlst du in unterschiedlichen Netzgebieten unterschiedlich viel. Der Grund heißt Netzentgelt: Jeder Netzbetreiber rechnet seine Kosten nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur getrennt ab und legt sie auf die Kundinnen und Kunden seines Gebiets um. Wie dicht das Netz ausgebaut ist, wie hoch die Auslastung liegt und wie viel gerade investiert wird, all das fließt ein. Auch ein hoher Anteil regional eingespeisten Wind- oder Solarstroms erhöht den Ausbaubedarf und damit die Kosten.

Laut Bundesnetzagentur-Monitoringbericht liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet in Deutschland mehr als 5 Cent je Kilowattstunde Unterschied allein bei den Netzentgelten. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch macht das über 175 Euro im Jahr aus, nur weil du an einem anderen Ort wohnst. Den Netzbetreiber selbst kannst du für deine Postleitzahl nicht wählen, den Lieferanten für Beschaffung und Vertrieb dagegen schon.

Traue keiner Prognose für 2026

Wer dir eine feste Zahl für den Rest des Jahres nennt, rät. Der Großhandelspreis an der Börse schwankt mit Wetterlage, Gasspeicherstand und geopolitischer Lage, sinkt er, geben manche Anbieter das weiter, steigt er, meist ebenso. Die Netzentgelte werden jährlich neu festgelegt, der Netzausbau für die Energiewende kostet, eine strukturell steigende Tendenz ist plausibel, aber nicht seriös bezifferbar. Der CO2-Preis im EU-Emissionshandel verteuert fossile Erzeugung und wirkt sich auf den Börsenstrompreis aus, langfristig drückt er den Anteil fossiler Erzeugung, kurzfristig treibt er die Kosten. Verlässliche aktuelle Zahlen liefern der BDEW, die Bundesnetzagentur im Monitoringbericht und Destatis in der Verbraucherpreisstatistik, nicht diese oder jene Schlagzeile.

Der einzige Hebel, den du wirklich hast

Am allgemeinen Preisniveau kannst du nichts ändern. An deinem Tarif schon. Der Abstand zwischen dem teuersten und dem günstigsten verfügbaren Angebot in einem Netzgebiet bleibt unabhängig vom Marktumfeld bestehen, und er lohnt sich besonders, wenn du noch nie aktiv verglichen hast, aktuell in der Grundversorgung steckst oder dein Sondervertrag bald ausläuft.

Schau dabei nicht nur auf den Arbeitspreis: Grundpreis, Preisgarantie, Laufzeit, Kündigungsfrist und Bonusbedingungen bestimmen deine tatsächlichen Jahreskosten und dein Risiko bei künftigen Preisanpassungen. Mit dem Stromkostenrechner siehst du Arbeits- und Grundpreis zusammen, passend zu deiner Postleitzahl und deinem Jahresverbrauch.

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Häufige Fragen

Wie viel kostet eine Kilowattstunde Strom gerade?
Nach der BDEW-Strompreisanalyse Frühjahr 2025 lag der bundesweite Mittelwert für Haushaltskunden (3.500 kWh/Jahr) bei rund 30 Cent brutto je Kilowattstunde. In der Grundversorgung liegen viele Anbieter darüber, günstige Wettbewerbstarife oft darunter. Den für deine Postleitzahl aktuellen Marktpreis siehst du im Vergleichsrechner.
Warum ist deutscher Strom im internationalen Vergleich teuer?
Rund zwei Drittel des Endpreises sind staatlich geregelt oder reguliert: Netzentgelt, Stromsteuer von 2,05 ct/kWh, Konzessionsabgabe und weitere gesetzliche Umlagen. Nur der Anteil aus Beschaffung und Vertrieb bildet sich frei am Markt. Die frühere EEG-Umlage, 2021 noch 6,5 ct/kWh, ist seit Juli 2022 auf null gesetzt.
Wird Strom 2026 günstiger?
Eine seriöse Prognose gibt es nicht, weil Großhandelspreise täglich schwanken und Netzentgelte jährlich neu kalkuliert werden. Was du selbst in der Hand hast: durch einen aktiven Tarifvergleich in einen günstigeren Vertrag wechseln. Das wirkt unabhängig vom allgemeinen Preisniveau am stärksten auf deine Rechnung.
Warum zahlen Menschen in verschiedenen Orten unterschiedlich viel?
Der Haupttreiber sind die Netzentgelte, die jeder Netzbetreiber nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur separat kalkuliert. In dünn besiedelten Regionen mit langen Leitungen oder starkem Erneuerbaren-Ausbau liegen die Netzkosten je Kilowattstunde häufig höher als in dicht besiedelten Gebieten.
Was hat die EEG-Umlage mit dem Strompreis zu tun?
Sie finanzierte bis Mitte 2022 die Einspeisevergütung für Erneuerbare-Energien-Anlagen. 2021 lag sie bei 6,5 ct/kWh, für das erste Halbjahr 2022 war sie bereits auf 3,72 ct/kWh gesenkt. Seit dem 1. Juli 2022 beträgt sie null, die Förderung läuft seitdem über den Bundeshaushalt. Das hat den Endpreis damals spürbar entlastet.
Lohnt sich ein Wechsel auch bei hohem Preisniveau?
Gerade dann. Der Abstand zwischen dem teuersten und dem günstigsten Tarif in einem Netzgebiet besteht unabhängig vom allgemeinen Marktumfeld, in teuren Phasen ist er zwischen Grundversorgung und günstigem Sondervertrag oft besonders groß. Ein Vergleich lohnt sich deshalb in praktisch jeder Marktlage.

Quellen & Stand