Zwei Verträge, ein Haus: lohnt sich die Trennung?
Wer eine Wärmepumpe betreibt, steht früher oder später vor der Frage: bleibt alles über den bestehenden Haushaltsstromvertrag laufen, oder lohnt sich ein eigener Wärmepumpentarif? Ein Wärmepumpentarif ist ein eigenständiger Stromtarif, speziell für den Heizbetrieb gedacht und im Arbeitspreis häufig günstiger. Möglich wird das, weil eine Wärmepumpe als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG gilt und der Netzbetreiber sie netzdienlich steuern darf, dafür gibt es ein reduziertes Netzentgelt. Den rechtlichen Rahmen erklärt unser Hub zum Wärmepumpenstrom, hier geht es um die konkrete Rechnung gegenüber dem Haushaltsstrom.
Wärmepumpentarif und Haushaltsstrom im direkten Vergleich
| Merkmal | Wärmepumpentarif | Haushaltsstrom |
|---|---|---|
| Arbeitspreis | meist reduziert | regulär |
| Netzentgelt | reduziert nach § 14a EnWG | regulär |
| Steuerbarkeit | netzorientierte Steuerung erlaubt | keine |
| Messung | oft separater Zähler / Kaskade | regulärer Zähler |
| Sinnvoll bei | hohem Heizstromverbrauch | normalem Bedarf |
Warum der Arbeitspreis den Ausschlag gibt
Eine Wärmepumpe bezieht über das Jahr ein Vielfaches der Strommenge eines gewöhnlichen Haushaltsgeräts. Deshalb ist beim Heizstrom der Arbeitspreis, also der Cent-Betrag pro Kilowattstunde, der wichtigste Faktor: Jeder eingesparte Cent multipliziert sich mit dem hohen Jahresverbrauch und macht übers Jahr einen spürbaren Unterschied. Beim verbrauchsarmen Haushaltsstrom fällt derselbe Cent-Unterschied kaum ins Gewicht. Beim Grundpreis verhält es sich umgekehrt: Bei hohem Verbrauch verteilt er sich auf viele Kilowattstunden und wiegt pro Einheit leicht, ein zweiter Zählpunkt bringt aber einen zusätzlichen Grundpreis und Messentgelte mit, die dem Arbeitspreisvorteil gegenüberzustellen sind.
Wann sich die Trennung lohnt, und wann nicht
Ob ein separater Wärmepumpentarif günstiger ist, hängt vom Verhältnis aus Arbeitspreisvorteil und Fixkosten ab. Faustregel: Je höher der Wärmepumpenverbrauch, desto eher überwiegt der reduzierte Arbeitspreis die Mehrkosten des zweiten Zählpunkts. Bei einer gut gedämmten, effizienten Anlage mit moderatem Heizbedarf kann dagegen die gemeinsame Messung mit dem Haushaltsstrom die einfachere, nicht unbedingt teurere Lösung sein. Welches Messkonzept zu deinem Fall passt, erläutert der Ratgeber Separater Zähler oder Kaskadenmessung für die Wärmepumpe. Wie stark der Vorteil real ausfällt, lässt sich nicht pauschal beziffern, er hängt von deinem Verbrauch, dem gewählten § 14a-Modul und dem Marktniveau in deinem Netzgebiet ab. Verlässlich ist nur der Vergleich mit deiner eigenen Postleitzahl.
Festpreis oder dynamisch mitdenken
Ein Wärmepumpentarif muss kein dynamischer Tarif sein, viele Anbieter führen klassische Festpreis-Wärmepumpentarife mit konstantem Arbeitspreis über die Laufzeit. Wer ein intelligentes Messsystem hat und den Heizbetrieb zeitlich verschieben kann, kann zusätzlich einen dynamischen Tarif prüfen: Dann richtet sich der Energiepreis nach der Strombörse, und Heizen in günstigen Zeitfenstern senkt die Kosten weiter. Beide Varianten stellst du mit deinen Daten im Stromkostenrechner gegenüber.